Habilitationsprojekt: Geschichtsdidaktik

Kompetenzmessung im Fach Geschichte und Sozialkunde, Politische Bildung. Eine fachdidaktische Untersuchung zur kompetenzorientierten Reifeprüfung.

Im Schuljahr 2014/15 wurde die kompetenzorientierte Reifeprüfung an den AHS in das österreichische Schulsystem implementiert. Abseits des juridischen Aspekts, jungen Menschen durch die Matura die Berechtigung zum Eintreten in den tertiären Bildungssektor zu erteilen, erhebt die neue Reifeprüfung den Anspruch, die Ausprägung von Kompetenzen an der Schnittstelle von Schule und Universität bzw. Hochschule messen zu wollen. In Geschichte, Sozialkunde und Politischer Bildung sind es historische und politische Kompetenzen, die einem Kompetenz-Strukturmodell folgen, das seinerseits auf der Erkenntnistheorie und auf der narrativen Geschichtstheorie fußt.

Da einerseits die Theoriebildung noch im Fluss ist (es fehlt ein für die Gestaltung des Lernfortschritts notwendiges Kompetenzprogressionsmodell und damit eine klare Vorstellung zu erreichender Progressionsstufen) und es zudem erhebliche Zweifel gibt, ob Erkenntnisvorgänge empirisch messbar sind, ist es eine zentrale Aufgabe der Fachdidaktik, die Modelle, die existieren, auf ihre Sinnhaftigkeit und auf ihre Anwendbarkeit in der Schule hin zu untersuchen. Das Paradigma der Kompetenzorientierung hat signifikante Auswirkungen auf Unterricht. Die Studie stellt daher die Frage, was die Lehrer/innen von der von ihnen erwarteten grundlegenden Änderung des Unterrichts und vom neuen Prüfungsformat halten, mit welchen Problemen sie konfrontiert sind und wie sie damit umgehen. Sie frägt aber auch nach der Gestaltung der Aufgabenstellung für die Reifeprüfung und untersucht Prüfungen im Hinblick auf das verordnete Prüfungsformat. Dabei gilt das Interesse der Frage, ob (und wenn in welcher Form) historische und politische Kompetenzen dadurch sichtbar werden, weil das Verfahren nicht genuin geschichtsdidaktisch gestaltet ist. Ziel ist es herauszufinden, inwiefern mit der reformierten Matura der wissenschaftliche und bildungspolitische Anspruch an eine kompetenzorientierte Reifeprüfung erfüllbar ist. Sollte das der Fall sein, will die Studie Anregungen erarbeiten, in welchen Bereichen weitere Entwicklungsarbeit zu leisten sein wird, um Unterricht und Überprüfung zu einem sinnvollen Ganzen zu verweben. Erste Ergebnisse (Lehrerperspektive) liegen bereits vor.

Ansprechperson: Christian Pichler, Visitenkarte