Kompetenzorientierte Reifeprüfung

Im Jahr 2010 wurde in Österreich eine neue Form der Reifeprüfung eingeführt, die dem Prinzip der Kompetenzorientierung im Unterreicht Rechnung trägt. Kompetenzmessung, also die Erreichung einer im Bildungsplan vorgesehenen Niveaustufe an fachspezifischen Kompetenzen, wurde zur Grundlage des Prüfungsdesigns. Die Prüfungsergebnisse sollen Auskunft darüber geben, inwieweit die Kandidat/innen befähigt sind, fachliche Kompetenzen selbstständig zu nutzen und zum dauerhaften Instrument ihrer Bewusstseinsreflexion und Handlungsdisposition zu machen.

Die neue Reifeprüfung ruht auf drei Säulen: 

  • Vorwissenschaftliche Arbeit (VWA): Sie verlangt die vertiefende Beschäftigung mit einem frei gewählten Thema aus dem umfassenden Feld des österreichischen Bildungsauftrags. Die Kandidaten/innen weisen nach, weitgehend selbstständig einen anspruchsvollen Schreibprozess  bewältigen und methodisch arbeiten zu können (schülerautonomer Aspekt).
  • Schriftliche Prüfung: In den Fächern Deutsch, Mathematik, lebende Fremdsprachen und klassische Sprachen sind zentrale Aufgabenstellungen, abgeleitet aus den Kompetenzmodellen der genannten Fächer, zu lösen. Die Prüfung ist österreichweit einheitlich und  findet zum selben Zeitpunkt statt. Die Analyse- und Beurteilungskriterien sind ebenso standardisiert wie die Normen zur Aufgabenerstellung (zentralisierter Aspekt).
  • Mündliche Prüfung: Aus allen Fächern können, je nach Arrangement des individuellen Prüfungspakets, zwei oder drei Fächer gewählt werden. Die Themenstellungen sind von den Kandidat/innen aus Pools zu ziehen  und die Aufgabenstellungen werden nach kompetenzorientierten Richtlinien geformt. In der Zusammenstellung der Themenpools und in der Ausformulierung der Aufgaben sind die Lehrenden weitgehend  frei (schulautonomer Aspekt).

Das Verbindende aller drei Säulen ist die Verpflichtung aller prüfenden Instanzen, jede Aufgabenstellung mit einem Reproduktionsteil (Sach- oder Methodenkompetenz), einem Transferteil (Analysen, Verknüpfungen, Zusammenhänge) und einem Problemlösungs-/ Reflexionsteil (Bewertungen, Beurteilungen, Diskussionen) zu versehen. Damit folgt der Prüfungsverlauf dem Muster eines Erkenntnisprozesses und verlangt die Anwendung von Kompetenzen (Einsatz von Operatoren).

 

Ansprechpersonen:

 

 Links:

Bundesministerium für Bildung und Frauen: https://www.bmbf.gv.at/schulen/unterricht/ba/reifepruefung.html

Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung im österreichischen Schulwesen: https://www.bifie.at/srdp

Vorwissenschaftliche Arbeit: http://www.ahs-vwa.at/