Otto Teischel - Trauma – Vom Sinn der Erinnerung - Workshop mit Film & Gespräch (Inhalt Montag und Dienstag verschieden)

Frankl bezeichnete die von ihm entwickelte Logotherapie & Existenzanalyse in Abgrenzung zur Tiefenpsychologie von Freud als „Höhenpsychologie“. Die geistige Dimension, in der ein Mensch nach dem Sinn seiner Existenz zu fragen vermag, erhebe ihn über die Niederungen eines triebgesteuerten Wesens. Tatsächlich ist jeder gelingende psychotherapeutische Prozess getragen von der Bereitschaft und Fähigkeit eines Menschen, die leidvollen Erfahrungen seines Lebens zu erinnern, auszudrücken und therapeutisch zu bearbeiten. Erlittene psychische und physische Gewalt, beschämendes und entwürdigendes Verhalten, entsetzliche Ohnmacht und Todesangst – alles, was Menschen schicksalhaft widerfährt und sie einander zufügen können. Jede Zelle des Körpers merkt sich, was ein Mensch erlebt hat, doch um überleben zu können, hilft oft nur die Verdrängung oder Verleugnung eines erlittenen Traumas. An dieser Grenze übernimmt das Unbewusste die „Regie“ über die Psychosomatik eines Menschen, und beginnt dessen Leiden symptomatisch auszudrücken. Und eine mögliche Heilung kann nur durch ein Zusammenwirken beider Dimensionen gelingen, des Bewusstseins mit dem Unbewussten, der Sprache des Geistes mit der des Körpers. In den Werken wahrhaftiger Filmkunst werden immer beide Ebenen des Menschseins berührt und zum Ausdruck gebracht – sie geben uns zu fühlen und zu denken. Und indem sie ein Trauma einfühlsam veranschaulichen, wirken Filme erhellend und therapeutisch, für die beteiligten Künstler wie für das Publikum.

Otto Teischel wurde 1953 in Duderstadt (Kreis Göttingen) geboren. Philosoph, Psychotherapeut, Psychoanalytiker & Schriftsteller, arbeitete als Kleinverleger, Galerist, Buchhändler, Filmkritiker, Dozent in der Erwachsenenbildung und heute auch in eigener philosophischer Praxis. Studium der Philosophie, Theologie und Germanistik an den Universitäten Regensburg und Hannover. Magister Artium: „Der Begriff der Angst bei Heidegger und Jaspers“. Promotion: „Selbstsein - Notwendigkeit und Paradox einer Philosophie der Existenz.“
Qualifikation in Existenzanalyse & Logotherapie (nach Viktor E. Frankl) am Süddeutschen Institut für Logotherapie bei Elisabeth Lukas. Qualifizierungskurs Palliative Care für Psychotherapeuten (LMU München). 2010 – 2017 Ausbildung zum Psychoanalytiker beim Salzburger Arbeitskreis für Psychoanalyse. Langjährige Leitung einer filmtherapeutischen Patientengruppe in einer psychosomatischen Klinik. Initiator der Veranstaltungsreihe "Schau hin ... - Film & Gespräch" im Wulfenia Kino, Klagenfurt