Die beiden Mauthausen-Nebenlager am Loiblpass wurden im Juni 1943 gegründet. Die Häftlinge wurden auf zwei KZs aufgeteilt, auf das Südlager (im heutigen Slowenien) und auf das Nordlager (in Kärnten). Die Deportierten hatten an der Scheitelstrecke den 1.542 m langen Straßentunnel zu graben, wobei die anspruchsvollen technischen Arbeiten von Angestellten der zivilen Baufirma UNIVERSALE, die auch der Generalunternehmer für den Tunnelbau war, gemacht wurden. Insgesamt waren in beiden KZ-Lagern ca. 1.650 Häftlinge interniert, viele davon waren Franzosen. Im Loibl-KZ-Nord herrschten besonders extreme klimatische Bedingungen und besonders brutale KZ-Aufseher bzw. Kapos. Die Namen von 36 Deportierten, die am Loibl den Tod fanden, konnten bisher recherchiert werden. Sie haben bis heute weder einen Grabstein noch einen Ort des Gedenkens. Dank der Hilfeleistung der slowenischen Partisanen und Zivilarbeiter gelang insgesamt 22 Häftlingen die Flucht. Am 8. Mai 1945 wurden die Häftlinge auf dem „Todesmarsch“ ins Rosental durch Partisanen befreit. – Als 1947 in Klagenfurt die Hauptkriegsverbrecher vom Loiblpass vor dem alliierten Militärgericht abgeurteilt wurden, war das grauenhafte Geschehen am Loibl noch öffentliches Gespräch. Bald darauf herrschte „das Schweigen im Walde“.

Die Entstehung der derzeitigen Gedenkstätte ist ein konfliktreicher Prozess, der vor Ort anschaulich gemacht und interpretiert wird. Die Erfahrungen der Mitarbeiter_innen und Guides des Mauthausen Komitees Kärnten/Koroškaim Spannungsfeld von Interessen des Bundesdenkmalamtes, der Bundesanstalt Mauthausen Memorial in Wien und des Grundbesitzers auf der einen Seite und den ehrenamtlichen Initiatoren und Betreuer_innen  der Kärntner Gedenkstätte und den Besuchergruppen bzw. den Nachfahren der ehemaligen Häftlinge auf der anderen Seite zeigen die gesellschaftliche Dynamik der konkreten Erinnerungsarbeit vor Ort.

Der anschauliche Vergleich der Gedenkstätten Loibl-Nord und Loibl-Süd kann ein zusätzlicher Erkenntnisgewinn sein, vor allem, wenn man das unterschiedliche politische Umfeld berücksichtigt. Insgesamt: eine gute Möglichkeit, „Mauthausen vor unserer Haustüre“ kennen zu lernen.

Prof. Peter Gstettner

 

Studium der Pädagogik und Psychologie in Innsbruck, Habilitation an der Univ. Marburg/Lahn; von 1981 bis 2004 Univ. Professor für Allgemeine Erziehungswissenschaft an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Abteilung für Interkulturelle Bildung; Gründungsmitglied des Mauthausen Komitees Kärnten/Koroška - Gedenkstätte Loibl KZ Nord; Arbeitsschwerpunkte: Interkulturelle Pädagogik, Gedenkstättenpädagogik, ethnische Minderheiten; Autor vieler Bücher, u.a. „Erinnern an das Vergessen“, Klagenfurt/Celovec, Herbst 2011