Was wir weitergeben

Als Referentin des 13. Viktor Frankl Symposiums an der Viktor Frankl Hochschule muss ich nicht betonen, dass ich keine ausgebildete Psychotherapeutin bin. Meine Ausbildung hat sich auf die Rolle der Textilien in der Kunstgeschichte konzentriert, ich habe eine Diplomarbeit über das Gurker Fastentuch geschrieben, im Museum für angewandte Kunst gearbeitet und die Meisterprüfung für Weberei abgelegt.

Die Auszeichnung mit dem Viktor Frankl Preis hängt vor allem mit meinem Buch Was wir weitergeben und mit meinen Bemühungen, die Geschichte des 20. Jahrhunderts und das Verhalten der Menschen in der Geschichte des 20. Jahrhunderts zu verstehen, zusammen: Eine Geschichte, die mit der Katastrophe des 1. Weltkrieges begonnen hat, sich mit dem Aufstieg von Stalin und Hitler, d.h. Bolschewismus und Nationalsozialismus, fortgesetzt hat, 6 Millionen Opfer des Holocaust verarbeiten musste und in der zweiten Hälfte ein Leben unter dem Damoklesschwert von Atomwaffen zur Folge hatte

Viktor Frankl war Neurologe und Psychiater, aber sein Arbeits- und Forschungsthema, nämlich die Logotherapie wird in kürzester Form als Therapie durch Sinnfindung bezeichnet, wobei auch der Begriff Vernunftfindung dem griechischen Wort Logos gerecht werden würde.

Viktor Frankl, der fünf Jahre nach Beginn des 20. Jahrhundert geboren wurde und drei Jahre vor dem Ende des 20. Jahrhunderts gestorben ist, war so wie Karl Popper ein mit vielen österreichischen Eigenschaften und Qualitäten ausgestatteter Bürger des 20. Jahrhunderts. Der Holocaust und das Konzentrationslager, dem er zum Unterschied von Karl Popper nicht entkommen ist (aber glücklicherweise überlebt hat), war zweifellos sein prägendes Erlebnis, was man auch in seinen Büchern nachlesen kann.

Natürlich habe ich die schriftlich festgehaltenen Erinnerungen und Erlebnisse von Viktor Frankl mit den Erinnerungen und Erlebnissen meines Vaters in den Konzentrationslagern Dachau und Buchenwald verglichen. Dabei stellt sich unweigerlich die Frage nach dem Sinn des Lebens, die Frage nach dem Lernen aus der Geschichte, die Frage nach den Faktoren, die einen Menschen prägen, aber auch die Frage nach den unterschiedlichen Wertmaßstäben, die das Verhalten eines Menschen beeinflussen.

In meinem Buch habe ich vor allem versucht darzulegen und der Frage nachzugehen, welche Faktoren, Umstände, Vorbilder, Erlebnisse, etc. mein eigenes Leben geprägt haben und möchte darauf auch im Vortrag am 12. Oktober näher eingehen.

Margit Fischer

Im Juni 1943 als Kind österreichischer Emigranten (Otto Binder und Annie Pusterer) in Stockholm, Schweden geboren; 1949 übersiedelt die Familie nach Wien; 1949-1953 Volksschule in der Per Albin Hansson Siedlung, Wien X; 1953-1961 AHS. 1961-1965 Höhere Bundeslehr- und Versuchsanstalt für Textilindustrie, Wien V, Fachschule für Musterzeichnen, 1965 Diplomprüfung; 1965-1966 Desinnateurin, Porttendorfer Textilwerke AG; 1966 Meisterprüfung für die Weberei.1967 Gobelinweberin bei Märta Måås Fjetterström, Stockholm; 1967-1970 Vertragsbedienstete im Museum für angewandte Kunst. 1970-1972 Studium der Kunstgeschichte an der Universität Wien; 1968 Verehelichung mit Dr. Heinz Fischer, zwei Kinder Philip (geb 1972) und Lisa (geb. 1975), drei Enkelkinder.