KLAGENFURTER VIKTOR FRANKL LESUNG

2019 eröffnete David Guttmann, Holocaust-Überlebender und enger persönlicher Freund und Schüler von Viktor Frankl, die neue Reihe der Klagenfurter Viktor Frankl Lesungen. Er las dabei aus seinem Buch Für das Leben überlebt. Zeugnisse einer Freundschaft nach dem Holocaust, der Geschichte seiner engen Freundschaft mit Viktor Frankl. Sein für heuer geplanter Vortrag zu seiner Autobiographie Schwierige Heimkehr, Geschichte eines Lebens im Zeichen des Franklschen Menschenbildes und der unbedingten Würde aller Menschen, viel der Corona-Pandemie zum Opfer und kann hoffentlich im Jahr 2021 stattfinden.

2. Klagenfurter Viktor Frankl Lesung - Maximilian Achatz liest aus Boštjans Flug von F. Lipuš

Florjan Lipuš wurde 1937 in Lobnig/Lobnik bei Eisenkappel/Železna Kapla als Sohn einer Kärntner slowenischen Familie geboren. Als Kind musste er mitansehen, wie seine Mutter von Gestapo-Männern verhaftet wurde, während sein Vater gleichzeitig in der deutschen Wehrmacht diente. Nach dem Krieg besuchte Lipuš das Gymnasium Tanzenberg. Das anschließende Studium am Priesterseminar schloss er nicht ab und arbeitete anschließend unter anderem als Postbediensteter, Schreibkraft und Versicherungsvertreter.

Nach dem Studium an der Pädagogischen Akademie in Klagenfurt wirkte er von 1960 bis 1998 als Volksschullehrer in Remšenik und Leppen sowie als Direktor an der Volksschule St. Philippen/Šentlipš.

Als Herausgeber der slowenischsprachigen Kultur- und Literaturzeitschrift mladje setzte Lipuš von 1960 bis 1980 wesentliche Impulse in der modernen slowenischen Literatur in Kärnten. In mehreren seiner Schriften bearbeitete er, der ausschließlich auf Slowenisch schreibt, die traumatischen Erlebnisse seiner Kindheit und Jugend. Zu seinen bekanntesten Werken zählen Zmote dijaka Tjaža/Der Zögling Tjaž, Odstranitev moje vasi/Die Beseitigung meines Dorfes, Jalov pelin/Die Verweigerung der Wehmut, Srčne pege/Herzflecken, Sršeni/Hornissen, Boštjanov/Boštjans Flug, Mirne duše/Seelenruhig; Gramoz/Schotter.

Florian Lipušerhielt zahlreiche Ehrungen, wie den Literaturpreis des Slowenischen Kulturverbandes in Klagenfurt, den Preis des Prešeren-Fonds, Ljubljana, den Kulturpreis des Landes Kärnten, das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst der Republik Österreich, den Prešeren-Preis in Slowenien, den Grazer Literaturpreis, den Österreichischen Würdigungspreis für Literatur, den Petrarca-Preis und den Großen Österreichischen Staatspreis.

Der Nobelpreisträger Peter Handke spricht von Lipuš' Werk als „Weltliteratur“ und das Literaturblatt Gallus Frei-Tomic meint: „Florjan Lipuš schreibt mit spitzem Bleistift gegen das Vergessen, schreibt von Hand auf Papier, gegen das Flüchtige, das Ungefähre, gegen das Oberflächliche.“ Florian Lipuš selbst erklärt: „Ich schreibe, um mich selbst zu retten.“

Sein Roman Boštjans Flug (Suhrkamp/Insel) ist die Geschichte einer slowenischen Kindheit und Jugend, die unauslöschlich von Verlust geprägt wird. Die wichtigsten Stationen der Geschichte, die sich in einer unvergleichlichen Szenenfolge räumlich und zeitlich miteinander verflechten und in Johann Strutz‘ kongenialer Übersetzung zu einem erschütternden, ästhetisch faszinierenden Ganzen verbinden, sind: Verschleppung und Deportation der Mutter und ihr Tod im Konzentrationslager, während der Vater in der Deutschen Wehrmacht dient; Heimkehr und zweite Heirat des Vaters; die in mythisch-magische Dimensionen reichende Welt der sterbenden Großmutter; Einsamkeit und Trauer des jugendlichen Boštjan - und die rettende Begegnung mit der ersten Liebe.

Der Schauspieler und Regisseur Maximilian Achatz ist Gründungsmitglied des klagenfurter ensembles, des Theaters im Landhauskeller Klagenfurt und des Theaters WalTzwerk, das er seit 2015 leitet. Neben seinen zahlreichen Filmrollen und Hörspielaufnahmen ist er auch als Theaterpädagoge und Lehrbeauftragter tätig.

Musik von Manjana - Manfred Plessl und Jana Tomaschütz

Manfred Plessl studierte Komposition und Violine am Konservatorium Klagenfurt und Kammermusik an der Escuela Superior de Música Reina Sofía Madrid, war fünf Jahre lang Bratschist beim Acies Quartett und ist Ô1 Künstler des Jahres 2007 sowie Mitglied bei „Die Unvollendeten“. Er arbeitet als selbstständiger Komponist für Fernsehen, Werbung, Theater und Kino (Bad Luck 2012; Streif - One Hell of a Ride 2014; What Is Love 2014; Life Guidance 2017; Manaslu - Berg der Seelen 2018).

Jana Tomaschütz verbindet als Performerin ihre zwei Leidenschaften - das Theater und die Musik. Sie absolvierte ihre Ausbildung beim slowenischen Cellisten Miloš Mlejnik und ist derzeit Studentin bei Alban-Berg-Ensemblemitglied und Hugo-Wolf-Quartett-Gründungsmitglied Florian Berner. Gemeinsam mit ihm und zwei Studienkolleginnen bilden sie das Sternberg Cello Quartett. Sie arbeitet als Musikerin und Darstellerin in der freien Theaterszene, ist Ensemblemitglied des antagon Theaters, arbeitet mit dem Regisseur Andreas Prohaska und dem Choreographen Shusaku Takeuchi und nimmt an zahlreichen Festivals teil.